Carola - „JETZT ist die Zeit!“

Shownotes

Diese Episode macht deutlich: Trauer sieht bei keinem Menschen gleich aus. Jeder trauert anders, jeder in dem Tempo und an dem Punkt im Leben, an dem er oder sie gerade steht. Trauer berührt auch das Umfeld auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen, manchmal unbeholfen, manchmal nah.

Über allem steht eine klare Erkenntnis: die Zeit, die wir haben, ist JETZT. Sie ist zwar nicht verlässlich, nicht planbar. Und gerade deshalb kostbar. Diese Folge erinnert daran, Momente bewusst zu leben, sie nicht aufzuschieben, nicht zu vertagen.

Wenn dich dieses Gespräch berührt oder du selbst mit Verlust, Trauer oder Depression lebst, findest du auf der Website https://dr-klappstein.de/beratung/traumatherapie/ Angebote zur Trauerbegleitung und therapeutischen Unterstützung.

Hör hinein, teile gern die Folge und nimm dir den Raum, den du brauchst.

Transkript anzeigen

00:00:06: Willkommen bei Neulich im Therapiekaffee, dem Podcast in dem wir darüber sprechen was nach und zwischen den Therapiesitzungen geschieht.

00:00:14: Ich bin Dr.

00:00:15: Kerstin Klappstein, systemische Familientherapeuten und Traumotherapeutinnen und habe meine Praxis in Hamburg und berate auch online.

00:00:24: In meinem Podcast erzählen Menschen von ihren Erfahrungen auf dem Weg durch die Therapie – von Aha-Momenten, Veränderung, Stolpersteinen und neuen Blickwinkeln.

00:00:34: Es geht hier nicht um Therapie im fachlichen Sinn, sondern um Geschichten die Menschen erleben.

00:00:41: Also lehnt dich zurück, schnappt dir einen Kaffee und komm mit in ein Gespräch voller Mut, Echtheit und Hoffnung!

00:00:49: Heute habe ich hier Carola im Therapiekafé zu Besuch Und mit Carola möchte ich über ein Thema sprechen das ganz viele Familien erleben immer total schmerzlich ist.

00:01:07: Und zwar der Verlust des eigenen Kindes und ich finde das total großartig, dass Carola sich traut, das mit uns zu teilen.

00:01:16: Bevor wir so einsteigen in die Geschichte möchte ich so gerne von Ihnen auch noch so ein bisschen hören wie es Ihnen geht oder wie es heute so war.

00:01:25: und da habe ich eine Frage vorbereitet und zwar worüber haben Sie sich heute schon gefreut?

00:01:30: Gab es schon etwas was sie erfreut hat?

00:01:35: Ich habe es geschafft, dass der Morgen, wo ich meine Tochter in die Schule gebracht habe.

00:01:43: Mit Fröhlichkeit und mit Spesen funktionierte und nur mit einem Mini-Mini, mit einem Wutanfall.

00:01:50: Jetzt kommen wir schon viel zu weit weil das ist meine Pflegetochter, die ist acht Jahre alt und die fordert.

00:01:57: Die fordere ich immer

00:01:57: heraus oder sich.

00:01:58: Oder das ist halt mit ihr.

00:02:00: Ja, aber wie schön.

00:02:01: man freut sich über jeden Morgen wenn es dann mal schön ist und heute war's ganz fröhlich.

00:02:06: Oh, wie schön!

00:02:07: Das ist ja toll.

00:02:08: Das

00:02:08: ist geklappt.

00:02:09: Das is doch gut.

00:02:10: Dann sind sie nicht so stressig gestartet sondern sind fröhlig gestartet.

00:02:15: Ist doch super schön.

00:02:16: Freu ich mich drüber.

00:02:20: Wir hatten uns ja darüber verständigt dass wir heute über ihren Sohn sprechen über Robin.

00:02:29: Mögen Sie vielleicht, bevor wir jetzt so in die Geschichte noch mal einsteigen?

00:02:40: Was gäbe es denn was sie gerne über Robin erzählen möchten?

00:02:46: wie war er so?

00:02:48: Ja Robin war ein sehr tolles Kind.

00:02:57: der war alles zu begeistern Natur verbunden, wir sind da durch die Natur gestapft und haben jeden Wurm.

00:03:05: Und jede Eidechse und Molche betrachtet.

00:03:09: Das hat er auch geliebt.

00:03:14: Wandern hat er später in den Bergen ist er geklettert.

00:03:17: Ansonsten war er sehr ... Ja, der hat glaube ich nie irgendwie ... Er war kaum wütend oder so.

00:03:26: Der war sehr überlegt eher ruhiger.

00:03:32: Was heißt ruhiger?

00:03:32: Nein, er hat viel nachgedacht.

00:03:34: Später war das noch extremer ausgeprägt

00:03:39: als er erwachsen war.

00:03:40: Als er erwachsen

00:03:40: war also war Musik ja begeistert talentiert.

00:03:49: Als Kind habe ich ihn natürlich in den Kinderchor gesteckt.

00:03:52: da hat er also fantastisch gesungen.

00:03:54: der hätte Opernsänger werden können.

00:03:56: Leider hat gesagt, er hätte das perfekte Gehör und war da auch tatsächlich sehr.

00:04:01: Ja der war sehr glücklich da.

00:04:03: Er hatte eine Zeit.

00:04:04: Da war er sehr ... Hatte er Probleme?

00:04:07: Da hat er psychosomatische Schmerzen gekriegt.

00:04:10: Ich finde es interessant zu hören.

00:04:11: Und so wie der im Chor also der hat dann Schmerzmittel kriegen sollen habe ich dann aber nicht gegeben und sowie der im Kohl und gesungen hat an alle Schmerze weg.

00:04:20: Also das war so heißer.

00:04:22: später hat er dann seine Musikrichtung auf Elektro und

00:04:29: der war also nicht bei der Oper gelangt.

00:04:31: Nee,

00:04:31: überhaupt nicht!

00:04:32: Der hat so schräge Musik gehört.

00:04:35: Alle seine Klassenkameraden kamen keiner mit aber ich weiß jetzt die Rhythmen oder so haben ihn wahrscheinlich fasziniert und da das hat er also feiern gegangen ist immer noch.

00:04:45: ansonsten hat er genau später studiert.

00:04:49: was ich noch unbedingt sagen will ja genau er hat.

00:04:53: Ja es ist so.

00:04:55: Natürlich ist es schade.

00:04:57: Aber er war jemand, der wollte die Welt verbessern.

00:05:01: Er hat ganz bewusst seinen Beruf so wählen wollen, dass er etwas tut, das es besser wird oder das gut bleibt.

00:05:14: Hat sich eigentlich interessiert für Philosophie, für Politik, für Menschen und für Psychologie?

00:05:23: Hat aber gesagt, nein ich möchte etwas Wirtschaftliches studieren.

00:05:30: Weil Geld ist das was die Welt verändert.

00:05:34: Die Betriebe sind die, die das Weltgeschehen bestimmen und Ich möchte was ändern und ich möchte da tätig sein.

00:05:41: Da hat er erst Betriebswirtschaft studiert und dann Wirtschaftsinformatik.

00:05:48: Wow der hat ja schon einen ganz schönen Weg auch genommen.

00:05:52: Ja, er war sehr

00:05:53: zielstrebig oder?

00:05:55: Ja was ihn fasziniert hat.

00:05:56: Auf jeden Fall ihm ist halt alles zugeflogen.

00:05:58: Er hatte ganz gute Fähigkeiten das, was er mochte.

00:06:06: Das konnte er von alleine lernen und ganz nach der Schule habe ich gesagt komm jetzt guck doch mal wie du wieso das so ist.

00:06:15: und dann ist er nachher auch Mitglied im Club Mensa geworden.

00:06:19: ja also Aber das haben wir einfach in der Schulzeit nicht weiterbeachtet.

00:06:25: Das machte auch, also hat auch sehr viel nachgedacht.

00:06:30: Also er konnte – das fand ich am faszinieren?

00:06:32: Nicht am Fasziniersen!

00:06:33: Ich als Mutter hatte man noch eine andere Perspektive.

00:06:37: aber wirklich dieses ... Er hat gesagt, er kann sich aufs Bett legen und nachdenken.

00:06:42: Also der dachte richtig nach nicht so wie wir oder ich behaupte das mal die meisten so ständig denkt man dann irgendwas ne?

00:06:48: Der hat sich

00:06:50: bewusst ein

00:06:51: Thema und dann hat er...

00:06:54: Das ist schön!

00:06:55: Sie sind eine sehr liebevolle stolze Mama.

00:07:00: Ich wollte so gerne doch mal auf diesen Aspekt mit dem Musik- und dem Chor ganz kurz zurückkommen

00:07:06: können

00:07:07: Weil ich das nämlich so spannend finde, was Musik in unserem Körper halt macht.

00:07:12: Dass man Chor singen zum Beispiel auch empfiehlt wenn man in so depressive Phasen rutscht einfach weil dann Endorphine ausgeschüttet werden ohne Ende und Endorphinen sind schmerzlindernd also die nehmen die Schmerzen Weiß man halt noch ein bisschen nach der Geburt, dass man dann ja irgendwie ziemlich schnell endofine werden ausgestürtet ohne Ende.

00:07:39: Und die Schmerzen sind dann irgendwie weg?

00:07:41: Ja!

00:07:42: Aber

00:07:42: wie schön, dass er das so nutzen konnte...

00:07:45: Man sieht ja egal welche Stilrichtung es hat.

00:07:47: Ja genau!

00:07:48: Das ist schon

00:07:49: Musik, die bei ihnen irgendwie Stress auslösen, sind für ihn aber dann halt irgendwie entspannt

00:07:55: gewesen.

00:07:55: Es war schon okay.

00:07:57: Bisschen lautstärkend.

00:08:00: Ja, und dann ist aber was Schlimmes passiert.

00:08:04: Und ich hab's noch so ein bisschen ... Wir haben ja natürlich damals da auch drüber gesprochen.

00:08:10: Ich habe das noch sehr gut in Erinnerung wie das damals war.

00:08:14: Aber sagen Sie als Ihr Sohn starb hat sich für sie ganz viel verändert?

00:08:25: Wissen Sie noch, was will sie für einen Ein Bild von der Situation hatten damals, als klar war ihr Sohnes gestorben.

00:08:37: Also wie haben Sie sich gefühlt damals?

00:08:45: Die Szene war ja wirklich wie so ein schlechten Krimi also dass halt die Polizei vor der Tür stand und mich fragte ob ich die Mutter bin.

00:08:55: Von Robin, der in Münster lebte, studierte ... Ja, dann wurden die Namen abgeglichen und dann fahrten sie ab so rein können.

00:09:02: Und ich hab damit... Also das war mir außerhalb der Vorstellungskraft.

00:09:08: Dass

00:09:11: sowas

00:09:16: passieren könnte?

00:09:21: Das ist ein Unglaub oder ein... Nee es ist tatsächlich wie ein Film dann.

00:09:28: Also nun bin ich irgendwie jemand, der offensichtlich die Fähigkeit hat nicht zusammenzubrechen sofort.

00:09:35: Sondern dann sofort irgendwie in einem ... Ja, so mich zu halten, dass ich nicht zusammengeborgen bin.

00:09:42: Aber

00:09:43: sie sind ins Agieren gekommen?

00:09:45: Ins Tun gekommen?

00:09:46: Ich hatte die Tochter noch im Kindergarten und ... Na ja wie auch immer, ich ... Habe mir das angehört.

00:09:56: Ähm... Ja!

00:10:03: Die waren natürlich überhaupt nicht sensibel.

00:10:05: Haben wir irgendwie noch den Kriminal-Menschen?

00:10:10: Also mein Sohn wurde ...

00:10:13: Das

00:10:13: war ja nicht ganz klar, dass Hyper gestorben ist.

00:10:16: Also es ist praktisch plötzlich, ganz plötzlich verstorben.

00:10:20: Es ist wahrscheinlich eine Nachwirkung von Corona.

00:10:23: also das ist so ne ... Ja, so eine Späpfurge.

00:10:29: Viele junge Männer sind wirklich von jetzt auf gleich gestorbt und häufig an ... Blutgerinseln, die entweder im Herz oder im Gehirn sich festgesetzt haben.

00:10:40: Und das war der Grund seines Todes und deshalb war es auch nicht ... Die Erkrankung war nicht schwer, ne?

00:10:47: Da hatte eine ganz leichte Corona-Infektion gehabt.

00:10:50: Das ist vielen passiert.

00:10:51: ein paar Wochen später also viele junge Männer sind wirklich von einem Tag zum anderen ohne Anzeichen gar nichts verstorben und insofern was völlig überraschend und völlig unwirklich genau.

00:11:05: Ich weiß nur, dass ich nach kürzester Zeit zu meinem Partner sagte.

00:11:11: Ja also dieses klassische... Also ich habe nur gesagt ja die Karola von früher gibt es nicht mehr.

00:11:21: Und

00:11:22: die Karole von früher die gibt's nicht mehr?

00:11:24: Das ist seitdem so.

00:11:30: Man geht mit Ja, also irgendwie.

00:11:35: Also diese Carola die es früher gab... Wie hat sie sich denn verändert?

00:11:42: Was ist dann das was gegangen ist?

00:11:45: Ach so viel habe ich... Ich hab's nicht ganz wahrgemacht!

00:11:50: Sieht's

00:11:50: mir natürlich auch mal einen Schlutier

00:11:52: trinken.

00:11:56: Na ja, ich war immer sehr optimistisch und Der Optimismus ist mir teilweise,

00:12:06: also

00:12:07: zum großen Teil erfunden gekommen.

00:12:09: Dieses automatische, das Gott Vertrauen dieses irgendwie wird es schon gehen oder was heißt irgendwie?

00:12:16: Nein aber ein klassischer Optimismus der ist nicht mehr so da.

00:12:22: und naja klar die Lebensfreude ist auch anders und ich ertrag heutzutage Ich will ja fröhlich sein, so für meine Tochter auch.

00:12:35: Und im Übrigen was mich immer wieder aufbaut ist, dass ich mir wirklich sage... Mein Sohn oder egal derjenige, der verstorben ist, der möchte gar nicht, dass man weiter nur noch unglücklich ist.

00:12:50: Der würde sagen Mensch jetzt,

00:12:52: Karola,

00:12:54: jetzt genießt das wenigstens du hast viel erlebt und ... Das ist nicht gut, super zu.

00:13:02: Und da versuche ich mich dann manchmal selber daran zu halten und es gelingt mir auch oft mit der Kleinen auch.

00:13:09: aber da bin ich noch überhaupt nicht weiter.

00:13:13: Im Moment ist es wirklich noch so wenn ich wirklich alleine spazieren gehe oder was Schönes erlebe schöne Natur sehe irgendwas was wirklich schön ist das werde ich sofort dermaßen unglücklich.

00:13:26: traurig weil er das nicht sieht Ja, weil ich ertrage dieses richtig wirklich Schöne.

00:13:32: Wo man so eigentlich sagt Mensch schau dir was an und genießt das und zieh da die Kraft raus.

00:13:37: Das kann ich nicht, weil es kann's nicht aushalten.

00:13:42: Dieses

00:13:43: Schönen.

00:13:43: Also das ist...

00:13:44: Naja, weil er

00:13:45: das

00:13:45: nicht mehr sehen kann.

00:13:47: Und ja, genau.

00:13:48: Und das ist natürlich komplett anders.

00:13:54: Nun haben wir in den letzten Jahren also Vielleicht sollten wir auch noch mal sagen, seit wann Robin gestorben ist.

00:14:03: Ja, Robin ist zwanzig-zweiundzwanzig gestorbt und mit neunundzwundzig Jahren.

00:14:13: Jetzt wäre er dreihunddreißig.

00:14:16: Und ... Wir hatten uns dann ja danach ziemlich schnell, sind wir natürlich auch da drüber ins Gespräch gekommen?

00:14:25: Was hat Ihnen in dieser Zeit vielleicht auch in unseren Gesprächen, aber auch so allgemein.

00:14:30: Was ist das was ihnen halt gegeben hat?

00:14:33: Was war das, was das Gute war wenn man überhaupt darüber sprechen kann?

00:14:43: Also an den Gesprächen sowas ja... Ach im Grunde genommen schon die Bestärkung darin dass es naja das ist okay ist wie man is also dass man unglücklich dass man ... Sie haben mal irgendwie, das war eigentlich für Kinder gedacht so einen Ausdruck mehr gegeben.

00:15:03: Es ist okay wenn man traurig ist und wütend ist oder lustig ist.

00:15:07: Also dieses ganze Bild was vielleicht auch außerhalb dessen ist, was man sonst erwartet von Trauern.

00:15:16: Dass es alles okay ist und dass es alle Emotionen gibt.

00:15:23: Natürlich Traurigkeit.

00:15:25: Zeitlang ist man wütender Das ist auch erlaubt, es fröhlich zu sein.

00:15:29: Ich arbeite dran und doch das baut eigentlich auf.

00:15:39: Ja, aber es ist echt ein langer Weg?

00:15:43: Ja

00:15:43: ich glaube, das ist mein Dauer- also ein Zustand.

00:15:47: Ich weiß nicht... Also ja, ich bin noch nicht so weit weil ich immer wenn sie Wenn Sie versuchen, den Weg zu abzuzeichnen.

00:16:01: Dann stoppe ich ja immer, weil ich immer sage ... Ich will

00:16:05: das noch gar nicht?

00:16:06: Nee, nee, ich will trauern oder natürlich trauert man aber ich will das gar nicht.

00:16:11: Es ist hier auch eine Nähe dieser Trauer.

00:16:15: Aber ich will es natürlich schon.

00:16:16: Haben Sie

00:16:17: das manchmal so empfunden dass ich Ihnen irgendwie einen Weg raus aus der Trauer zeigen wollte

00:16:24: Ja, Sie haben vorsichtig angefragt ob wir da irgendwo was können und ich habe glaube ein paar Mal gestoppt.

00:16:31: Wobei hier die eine Methode EMDR doch auch hilfreich war.

00:16:44: Also das bin ich schon offen für also.

00:16:47: Na ja, aber das was wir da ja sehen ist deswegen war es mir auch noch mal wichtig dass wir sagen, dass das halt drei Jahre her ist Dieses klassische Trauerjahne, ich weiß gar nicht wie man darauf kommen kann.

00:17:02: Meine Erfahrung ist eine andere das Trauernicht nach einem Jahr vorbei ist.

00:17:07: ganz oft Ist es schon so dass nach einem Ja dann hat man ein ja.

00:17:13: alle Feiertage Alle Jahreszeiten jeden Geburtstag Hat man einmal ohne den Menschen gehabt und Dann passiert, also bei vielen passiert dann nochmal wieder was Neues.

00:17:29: Weil man weiß okay jetzt habe ich das einmal erlebt wie es ist ohne ihn Weihnachten zu feiern oder ohne dass er mich zum Geburtstag anruft oder so.

00:17:37: Also von da kann da schon noch mal etwas anderes entstehen und der Blick auf diese Tage ist nochmal etwas anders.

00:17:44: aber das was ich bei ihnen ja gesehen hab und auch bei vielen anderen ist Trauer hört dann nicht auf.

00:17:53: Und das, was ich bei Ihnen halt auch immer wieder so eindrücklich finde.

00:17:57: Ich finde es ja immer gut, wenn ich mit er eine Idee komme und eine Intervention machen will oder wir... ...ich schlage ein Thema vor und sie dann sagen, nee da bin ich noch nicht!

00:18:11: Und ich finde, so muss das sein.

00:18:13: Ich kann Gesprächsangebote machen, ich kann irgendwie sagen Wollen wir da mal hingucken?

00:18:20: Und wenn es dann auch nicht so weit ist, dann ist das ja völlig in Ordnung.

00:18:23: zu sagen, nee, will ich noch nicht.

00:18:26: Und ich finde diesen Aspekt hat auch wichtig zu sehen, Trauern bedeutet auch Nähe

00:18:34: zu dem

00:18:34: Menschen zu behalten und so.

00:18:38: Ja also es ist, weshalb ich jetzt gesagt habe dass das ein Thema ist, über was ich reden mag.

00:18:46: Ja, ist eben auch das Problem was man doch hat in der Gesellschaft.

00:18:52: Wo ich halt auch noch einen Weg suche weil ja, ich rede gerne über Robin und über mein... Ich liebe es Leute zu treffen oder mit Leuten mal zusammenzusehen die ihn kennen.

00:19:06: Und ja deshalb habe ich auch jetzt das Bild mitgebracht.

00:19:10: Ja ganz

00:19:11: schön steht hier auf dem Tisch.

00:19:13: Da waren wir auch voneinander, da war er in England Schüler oft austauschen ein halbes Jahr und da habe ich ihn abgeholt.

00:19:21: Da waren wir natürlich wieder irgendwie oben unterwegs,

00:19:24: mit Blick ins Wasser.

00:19:26: Und dann hab' ich gesagt so, da drehe ich mal ein bisschen der mittigte Profi, da grinst er ein, weil Mama wieder fotografiert.

00:19:31: aber ja jetzt bin ich doch froh.

00:19:35: Also wie gesagt die Gesellschaft hat natürlich Probleme bei uns mit der Trauer.

00:19:44: Ja, also man stellt fest das einige Menschen ist halt mein.

00:19:50: Obwohl ich halt immer ... Ich sag immer Leute, ich weiß auch... Ich wüsste auch nicht wie ich mit jemandem jetzt reden sollte, was ich sagen sollte und ich bestärkte immer, ich rede gerne über Robin und ich freu mich irgendwie wenn ich ihn erwähnen kann weil er dadurch noch mehr da ist.

00:20:07: Was meinen Sie denn warum?

00:20:09: Ich erlebe es ja auch, ne?

00:20:10: Das ist total bestätigend.

00:20:11: aber Warum ist das so?

00:20:15: Also warum, was ist es eigentlich, was so schwer ist mit Ihnen jetzt ins Gespräch zu kommen.

00:20:22: Haben Sie dann eine Vermutung, wo merken sie denn, wo die Leute auf Abstand gehen oder... Nee

00:20:26: ich glaube dass wirklich die wollen, die denken sich schon einen, bloß nicht dieses klassische Wundenaufreißen.

00:20:34: und jetzt die Stimmung, die ist gerade so gut drauf.

00:20:37: Ich weiß es nicht.

00:20:38: also wahrscheinlich, ich glaub das ist eher so ne Rücksichtnahme.

00:20:43: Aber von wegen Rücksichtnahme, ich muss auch dran arbeiten.

00:20:47: Ich habe da jetzt auch Fehler gemacht, muss ich gestehen ... diesen Bedürfnis über Robin zu reden.

00:20:55: Habe ich es auch Leuten erzählt die vielleicht mir gar nicht so nah sind?

00:21:00: So das ist grundsätzlich nicht falsch aber ich hab's auch so eins zwei Mal gehabt also neulich gerade habe ich seine ehemalige ... der Kiefer-Autopäden getroffen und ... ... weil ich mit meiner Tochter da bin.

00:21:13: Und dann habe ich ... ... Robin erwähnt, was passiert ist?

00:21:17: Und ... ... äh ja ... ... dann hab' ich gedacht also... Die arme Frau war völlig ... ... völlig aus dem Konzept und traurig und so.

00:21:27: Dann hab ich gedacht es ist auch ein bisschen zu egoistisch das zu tun.

00:21:32: Also es war eigentlich blöd von mir!

00:21:35: Also sie war ... Ich glaube, das werde ich nicht mehr so machen.

00:21:40: Aber es war irgendwie ... Na ja gut!

00:21:41: Sie hatte ihn nun Jahre lang und sie mochte ihn auch gerne, aber er war nämlich ein cooler Typ.

00:21:46: Aber man überfordert die Menschen.

00:21:47: Das ist...

00:21:48: Aber ich weiß nicht,

00:21:49: dass ... Auch nicht gut gewesen

00:21:50: ist?

00:21:50: Ich weiß nicht genau.

00:21:52: Also erst mal wissen Sie ja nie genau wie die anderen da drüber darauf reagieren.

00:21:57: Und vielleicht hätte ja auch sein können, dass Sie auch ganz froh ist darüber, dass sie darum weiß.

00:22:03: Also das weiß man ja vorher nie.

00:22:05: Nennt eben, aber man weiß auch nicht was man auslöst und

00:22:09: ich glaube sie sagen naja ich bin da vielleicht so egoistisch.

00:22:13: Ich weiß nicht.

00:22:13: dass würde ich glaube ich eher ein bisschen zurückstellen weil Sie halt einfach einen Bedürfnis äußern und weil es Ihnen wichtig ist über Robin zu reden Und ich glaube viel wichtiger ist Dass Sie ein Gefühl dafür haben.

00:22:28: also wenn für sie unangenehm ist, weil Sie dann wissen ... Ich weiß gar nicht wie die Leute reagieren.

00:22:35: Dann geht es ja darum, dass sie sich ...

00:22:37: Ja gut, aber so gehe ich ja nicht durch die Welt?

00:22:38: Nee, da sagen wir, gehen

00:22:39: Sie nicht durch

00:22:40: Die Welt!

00:22:40: Das sind

00:22:43: auch

00:22:43: Dinge, die ich gar nicht wissen wollte oder so.

00:22:45: Also das ... Ich finde, das gehört auch dazu.

00:22:48: Der kann ich nie und nicht durchdie Welt gehen und eben diese schreckliche Geschichte erzählen.

00:22:53: Es ist nicht gut, auch wenn's mir damit vielleicht gut geht in ... Ja, irgendwie ... Das werde ich weniger machen.

00:23:03: Aber ich glaub, ich werd weiterhin motivieren.

00:23:06: Man kann die Leute fragen, Mensch, möchtest du sprechen?

00:23:09: Und es kann ja nicht für andere empfinden aber mir geht's immer gut wenn ich was erzählen kann.

00:23:15: Unbedürftig schon meiner Tochter, die haben sich kennengelernt.

00:23:19: Die haben meine Tochter ist mit ein Jahr zu mir gekommen und ... Ja, sie hat schon noch ihren großen Bruder Robin gehabt und die haben sich wirklich ... Das war so süß.

00:23:30: Die fanden es sich klasse erfern.

00:23:31: Sie ist total süß, sie hatte ihren großen Brode angehimmelt.

00:23:34: Und die Kleine hab ich von mir aus ganz versucht wenig also nicht von mir raus irgendwie über Robin zu sprechen oder sie in diese Trauer mit reinzuziehen.

00:23:44: Genau da haben wir immer wieder drüber gesprochen.

00:23:46: Also weil das ist ja auch weshalb ich bei ihnen bin um die Beratung der Pflegetochter Ja und sie müssen mich ja auch beraten, damit ich weiter fröhlich dabei sein kann mit ihr.

00:23:59: Aber wie gesagt die Kleine hat von Anfang an wahnsinnig gerne überhaupt in gesprochen und die hatte ihn völlig normal so in den Alltag aufgenommen.

00:24:10: bei Eisessen gehen fachst du dich ja und was war Robin's Lieblingsorte oder?

00:24:14: Oder was würde der jetzt da machen?

00:24:16: oder er würde jetzt mit mir in diese Achterbahn gehen.

00:24:19: Ich trau mich nämlich nicht mehr.

00:24:21: Das ist total

00:24:23: schön, ne?

00:24:24: Was würdet ihr denn sagen, was Ihnen in den letzten Jahren besonders gut getan hat?

00:24:30: Also was würden Sie vielleicht ja auch empfehlen?

00:24:34: Eigentlich meine Tochter das Leben wieder.

00:24:41: Wahrscheinlich empfehle ich mit Menschen sich zum Geben die ein mögen und eine gute... Begleit und zwar eine gute Supervision bei Frau Klappstein.

00:24:52: Nein, wirklich!

00:24:53: Das hilft viel.

00:24:55: und aber ja mit Menschen umgeben gab es also wie gesagt dieses ruhige Spaziergänge.

00:25:02: das hilft mir nicht obwohl ich so naturvermunden

00:25:05: bin.

00:25:05: Ja genau was hat sich denn seitdem für sie verändert?

00:25:10: jetzt?

00:25:10: Also wenn Sie sagen okay damals war das so wie ein Film und Sie wussten gar nicht genau wo befinde ich mich hier eigentlich und Sie haben einfach nur gemacht.

00:25:20: Wie würden Sie denn jetzt Ihren Zustand beschreiben?

00:25:27: Na ja, immer noch Ihnen nicht!

00:25:29: Ich habe immer noch den Modus weiterzumachen... Also ich arbeite daran eine Zukunftsferspektive zu weiterzuhalten.

00:25:49: Ich versuche die Dankbarkeit dafür, dass er da war und das ein bisschen mehr zu werten.

00:25:59: Dass er da ist aber ich komme halt im Moment überhaupt nicht weiter weil es einfach so... Wahnsinnig ungerecht.

00:26:08: Aus meiner Perspektive als Mutter ist es einfach, was er nicht mehr erlebt.

00:26:13: Er wollte Familie, der wollte die Welt verändern.

00:26:18: Und bei allen Umständen, die ungünstig sind und weil ein Mitleid über Menschen, die noch viel mehr oder viel früher oder etwas, was ich erleben ... Das ist für mich einfach wahnsinnig ungerecht.

00:26:35: Oh Gott, jetzt weiß ich nicht mehr was Sie gefragt

00:26:37: haben.

00:26:37: Das ist ganz egal!

00:26:40: Aber Sie erzählen auf jeden Fall davon und das finde ich schon auch wichtig also dass ein erstes Trauer einfach nicht so schnell weg ist?

00:26:47: Nee.

00:26:48: Und da es einen begleitet und das es wichtig ist Menschen zu treffen mit denen man darüber sprechen kann... Das auch ganz schön, deswegen war mir das.

00:27:02: Da hab ich mich ja so darüber gefreut, dass wir uns in diesem Podcast unterhalten können zu sehen ... Ich kann den Schmerz Ihnen nicht nehmen.

00:27:15: Aber das ist trotzdem gut es immer mal wieder da drüber zu sprechen gerade im ... Zusammenhang mit dem, dass sie ja nun auch noch eine kleine Tochter haben.

00:27:25: Die ja auch noch groß werden will

00:27:27: und zwar nicht im Trauer sondern in Fröhlichkeit möglich

00:27:31: ist und irgendwie in der Offenheit fürs Leben und was auch Mama noch zu erleben und so.

00:27:39: Mitgenommen

00:27:40: habe ich aber eigentlich noch viel mehr, was ich schon immer hatte Wie wichtig das ist, die Zeit mit den Kindern zu verbringen.

00:27:47: Bewusst zu verbringen und nicht immer zu sagen, jetzt muss ich das, sondern ... Die Zeit, die wir haben, zu genießen und mit den Kindern vor allen Dingen.

00:27:58: Ich freu mich, dass sich ganz viel ... Ich war alleine zehn.

00:28:00: Das war eine sehr ... Schwierige Zeit am Anfang.

00:28:05: Also von Anfang an.

00:28:08: Ich hab keine Trennung, sondern Robin kam so.

00:28:12: Ja.

00:28:12: Doch Robin, ich

00:28:14: ... Das Überraschungskind Robin?

00:28:17: Ne, ne.

00:28:17: Er war überraschend schon aber es war ja schon eine sehr diplomatische Geschichte wo sein leiblicher Vater ist sehr manipulativ und hat Grenzen verletzt...

00:28:31: Aber dann warum da?

00:28:33: Ich hab trotzdem zu Robin immer gestanden und was hast du ihm gestanden?

00:28:38: also ich habe den geliebt und das war mein Sohn Es war gut so.

00:28:45: Diese Perspektive, die Zeit zu genießen mit den Kindern, das mache ich noch viel mehr und ... Ach, ich glaube durch den Tod von Robin ist es noch intensiver geworden, dass ich mir sage, es ist wirklich so egal, wir wollen jetzt, dass da sein Werten schätzen, dankbar seien und ja, und genießen.

00:29:05: Das heißt also meine Tochter hat wirklich viele ... Ja vielleicht einige sollte sagen oh Gott Das macht ihr alles, aber es ist mir egal.

00:29:13: Wir haben jetzt die Zeit mit ihren Problemen wie vier Jahre möglich sind und die soll

00:29:21: schönes

00:29:22: Leben haben.

00:29:22: Da können

00:29:22: wir auch schon mal so einen kleinen Tiefhänger

00:29:24: machen,

00:29:25: dass ja ihre Tochter halt auch ein sehr fröhliches Kind ist, aber auch wirklich mit Problemen auf die Welt gekommen ist.

00:29:36: Verreden wir dann ja auch noch mal in einem anderen Podcast über das fatale Alkohol-Syndrom.

00:29:43: Ja, und was ja auch da in der Grund war warum ihre Tochter zu Ihnen gekommen ist und nicht bei den leiblichen Eltern bleiben konnte.

00:29:51: Aber die Geschichte ... Ein kleiner Cliffheld.

00:29:54: Ja

00:29:54: weil wir beide oft schon gesagt so ein wichtiges Thema Und das was ich bei Ihnen aber ja auch immer wieder sehe ist und dass bestätigen Sie ja gerade dieses, wir leben jetzt.

00:30:05: Und wenn ich ihr was gönnen kann und wenn wir etwas unternehmen können und wenn wird das Leben schön gestalten können dann machen wir es jetzt.

00:30:12: Das machen wir egal.

00:30:13: Was wissen

00:30:13: Sie denn?

00:30:14: Ob wir das ja noch können oder so?

00:30:16: Sondern wir machen's jetzt.

00:30:18: Ja Ich finde

00:30:21: dass ist irgendwie ein ganz schönes Schlusswort

00:30:25: da

00:30:26: so hinzuschauen und mal all der Trauer Sie haben sich ja echt gut gehalten jetzt.

00:30:36: Seit drei Jahren halten sie sich gut.

00:30:37: Ich habe mich nicht gutgehalten, ich bin mega gealtert in der Zeit.

00:30:41: Das meinte

00:30:41: ich jetzt aber gar nicht so emotional.

00:30:43: Aber das muss ich noch betonen und es ist unglaublich was man mit einem verändert.

00:30:48: Was das

00:30:48: mit dem Körper auch macht.

00:30:50: Naja weil dass ich sehe manchmal Laufen trennen und die dürfen laufen und dann gibt's aber auch die Wiederhoffnungs ...

00:31:01: Ja,

00:31:01: in die Welt guckt und die die Zeit jetzt genießt.

00:31:06: Und das hat auch die anderen verdient?

00:31:09: Also ich meine, sie hat auch kleine Verdienung.

00:31:11: Das seid die Kleine

00:31:11: verdient genau!

00:31:14: Und wie gut es dann doch ist wenn man Menschen an der Seite hat mit denen man über das ein oder andere sprechen kann.

00:31:19: Ich hab ganz liebe Freundinnen und Partner, die das mittragen.

00:31:27: Von keinem einzigen Menschen gehört so nach dem Motto, jetzt ist das schon drei Jahre her.

00:31:32: Das hat noch nie jemand zu mir gesagt und das finde ich eigentlich schön.

00:31:37: Und die Freundinnen sind irgendwie auch so süß unsere Einflusser haben und nett.

00:31:41: Und wir

00:31:44: bleiben auch dabei.

00:31:46: Wir haben ja viele Themen über die wir immer widersprechen können aber auch dass wir nicht halt so schönes Robin halt immer wieder in unserem Prozess eine Rolle spielt.

00:31:56: Dass das richtig ist, es wird nicht ausgeklammert.

00:31:58: Ist da?

00:32:00: Sehr schön!

00:32:01: Dann danke ich Ihnen ganz herzlich, Karola für all das was Sie mit uns geteilt haben.

00:32:07: Vielen Dank.

00:32:10: Das war die Geschichte von Karola und ich finde das was wir aus dieser Geschichte mitnehmen können, die sie uns so ehrlich erzählt hat wie unterschiedlich Trauer aussehen kann.

00:32:24: Es gibt Trauerphasen und es gibt Definition von Trauer, aber das ist alles überhaupt nicht wichtig in dem Moment wo du selber Trauer erlebst.

00:32:32: Trauer kann für jeden etwas anderes sein und das ist so wichtig den eigenen individuellen Weg zu finden um damit umzugehen Und ich bin immer gerne bereit auch mit den Menschen ganz unterschiedliche Wege zu gehen um mit der Trauer umzugehnen und einen Platz dafür zu finden.

00:32:52: Das war eine weitere Folge von Neulich im Therapiekafé – Geschichten über das Wachsen, Zweifeln und Wiederfinden.

00:33:00: Hat dich das Gespräch

00:33:01: berührt?

00:33:02: Erinnert Dich das ein oder andere an dein eigenes Leben?

00:33:06: Ich bin Dr.

00:33:06: Kerstin Klappstein und wenn Du Unterstützung suchst schau gerne in meiner Online-Praxis

00:33:11: vorbei.

00:33:12: den Link findest du in den Show Notes.

00:33:14: Schön dass Du dabei warst.

00:33:16: bis zum nächsten Mal im Therapie Café!

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