Ein Raum für Trauer
Shownotes
Trauer ist mehr als ein Gefühl. Sie betrifft unser gesamtes System – unsere Gedanken, unseren Körper, unsere Beziehungen und unser familiäres Umfeld. Ich spreche darüber, warum Trauer nicht linear verläuft, weshalb Wut, Rückzug, Nicht-Wahrhaben-Wollen oder Akzeptanz natürliche Reaktionen auf Verlust sind und warum es nicht darum geht, Trauer „abzuschließen“, sondern ihr einen Platz im Leben zu geben.
Außerdem werfen wir einen Blick auf Trauer im Familiensystem: Wie verändert ein Verlust die familiäre Ordnung? Warum trauern Menschen innerhalb einer Familie oft so unterschiedlich? Und wie kann es gelingen, trotz Schmerz miteinander verbunden zu bleiben? Eine Folge für alle, die selbst trauern, Trauernde begleiten oder das Thema besser verstehen möchten.
Frage zum Nachspüren: Wenn du deiner Trauer heute zuhören würdest – was versucht sie dir gerade zu zeigen?
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00:00:06: Willkommen bei Neulich im Therapiekaffee, dem Podcast in dem wir darüber sprechen was nach und zwischen den Therapiesitzungen geschieht.
00:00:14: Ich bin Dr.
00:00:15: Kerstin Klappstein, systemische Familientherapeuten und Traumotherapeutinnen und habe meine Praxis in Hamburg und berate auch online.
00:00:24: In meinem Podcast erzählen Menschen von ihren Erfahrungen auf dem Weg durch die Therapie – von Aha-Momenten, Veränderung, Stolpersteinen und neuen Blickwinkeln.
00:00:34: Es geht hier nicht um Therapie im fachlichen Sinn, sondern um Geschichten die Menschen erleben.
00:00:41: Also lehnt dich zurück, schnappt dir einen Kaffee und komm mit in ein Gespräch voller Mut, Echtheit und Hoffnung!
00:00:48: Wie immer in diesen kleinen Sonderfolgen zwischendurch möchte ich mich auf das Interview vom letzten Mal beziehen.
00:00:57: Und zwar geht es dieses mal um das Interview mit Karola indem sie so eindrücklich erzählt, wie sehr der Tod ihres Sohnes sie verändert hat.
00:01:08: Mich hat das Gespräch mit dieser tiefe und der radikalen Offenheit zutiefst bewegt – und das obwohl ich ihre Geschichte ja schon kenne….
00:01:18: Und da ich heute mal wieder allein im Therapie-Kaffee bin möchte ich dieses Thema vertiefen!
00:01:24: Vielleicht hörst du diese Worte weil Du selbst trauerst oder weil Du Menschen begleitest die einen Verlust erlebt haben?
00:01:32: oder einfach weil dich dieses Thema berührt.
00:01:35: Zunächst einmal Trauer ist keine Krankheit, sie ist eine Antwort und sogar eine sehr logische Antwort des gesamten Systems auf einen Einschnitt – auf etwas was da war und jetzt fehlt!
00:01:50: Wenn ein Mensch stirbt oder wenn etwas Wesentliches verloren geht verändert sich nicht nur unser Inneres sondern auch Beziehungen, Rollen und vertraute Muster geraten dadurch in Bewegung.
00:02:05: Trauer zeigt sich deshalb nicht nur im Gefühl, sondern auch in unserem gesamten Denken... ...im Körper also mit körperlichen Symptomen und im Miteinander.
00:02:20: Vielleicht kennst du das Erleben von, dass Trauer kommt und geht.
00:02:24: Und es ist Tage gibt an denen das Leben sich tragbar anfühlt und andere an denen alles ganz furchtbar schwer wird.
00:02:32: Oft wird hier ja von Trauer Phasen gesprochen.
00:02:36: Das sind die, die wir dann durchleben wenn wir in Trauer sind.
00:02:40: Systemisch betrachtet sind diese Phasend keine festen Stufen, die man durchlaufen muss.
00:02:45: Dann ist man am Ende irgendwann durch damit sondern sie sind viel mehr unterschiedliche Antworten eines Systems auf Verlust, also versuche sich neu zu organisieren.
00:02:59: Eine dieser Antworten kann nicht wahrhaben wollen sein – ein Gefühl von Unwirklichkeit oder innere Distanz.
00:03:07: Diese Phase schützt!
00:03:10: Sie verlangsamt das Begreifen wenn die Wirklichkeit noch zu überwältigend ist.
00:03:17: Da hilft es dann übrigens nicht, jemandem immer wieder zu sagen du musst das jetzt aber mal akzeptieren.
00:03:22: Nein, das ist eine Schutzphase und die ist wichtig.
00:03:26: Eine andere Antwort ist Wut.
00:03:29: Sie kann sich gegen andere richten, gegen das Leben, gegen sich selbst Und systemisch gesehen markiert Wut eine verletzte Ordnung.
00:03:37: sie zeigt dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist und dass eine Grenze überschritten wurde.
00:03:44: dann gibt es Phasen tiefer Traurigkeit und Rückzug, Momente in denen der Verlust spürbar wird und in denen klar wird wer oder was fehlt.
00:03:54: Diese Phasischaft Kontakt zur Bedeutung der Beziehung.
00:03:59: Manche Menschen erleben auch so etwas wie ein inneres verhandeln Gedanken wie «oh wenn ich doch anders gehandelt hätte oder auch hätte ich doch und hätte ich nicht doch noch ganz anders handeln können?
00:04:11: Was wäre passiert A oder B nochmal ganz anders gemacht hätte.
00:04:17: Systemisch betrachte sind das Versuche Handlungsmacht zurück zu gewinnen, also der Versuch und der Wunsch die Ordnung wiederherzustellen.
00:04:29: Und manchmal erlebe ich auch in diesem inneren Verhandeln den Wunsch seine eigene Machtlosigkeit loszuwerden in dem es manchmal einfacher erscheint, selbst zu denken wenn ich noch etwas getan hätte dann wäre es womöglich ganz anders gekommen.
00:04:52: Das vertieft auf der einen Seite das Schuldgefühl, auf der anderen Seite gibt es ein Gefühl von Handlungsfähigkeit die aber im Angesichts des Todes einfach nicht da ist.
00:05:09: Manchmal zeigt sich etwas, das oft Akzeptanz genannt wird.
00:05:13: Nicht als Zustimmung sondern als leises Anerkenn dessen was nicht mal veränderbar ist.
00:05:20: Akzeptant bedeutet nicht dass der Schmerz endet, sondern dass das System beginnt den Verlust zu integrieren.
00:05:30: Wichtig finde ich, das zu sehen dass diese Phasen nicht linear verlaufen.
00:05:35: Sie können sich abwechseln wiederholen und gleichzeitig auftreten Und so kann ein Mensch am selben Tag wütend traurig und ganz ruhig sein und das innerlich auch als wechselhaft und gleichzeitig empfinden.
00:05:51: Das ist kein Zeichen von Stillstand sondern Ausdruck eines Systems in Bewegung Trauerpendel zwischen Nähe und Schutz, zwischen dem Wunsch verbunden zu bleiben und dem Bedürfnis nicht überwältigt zu werden.
00:06:08: Und Beziehung endet ja auch mit dem Tod – und sie endet auch nicht mit dem Abschied.
00:06:13: In der Trauer versuchen wir oft eine neue Form von Verbindung einer die innen weiterlebt.
00:06:24: Trauer zu verarbeiten, sondern darum ihr Raum zu geben.
00:06:29: Ein sicheren Rahmen in dem alle Phasen willkommen sind.
00:06:34: und wenn du selbst trauerst darfst du dich fragen was unterstützt mich gerade in dieser Phase?
00:06:41: Nicht um irgendwie jetzt weiterzukommen und zum Ende zu kommen mit der Trauer, sondern um bei dir zu bleiben!
00:06:49: Und wenn du Trauer begleitest Dann darfst du darauf vertrauen, dass Präsenz also einfach nur da sein oft mehr wirkt als jedes Wort.
00:07:00: Trauer verändert sich – sie wird oft leiser, manchmal tiefer, manchmal weicher.
00:07:07: Sie verschwindet aber nicht unbedingt, sie findet ihren Platz und vielleicht entsteht mit der Zeit genug innere Raum damit neben der Trauer auch etwas anderes sein darf Nicht trotz des Verlustes, sondern mit ihm.
00:07:24: Und wenn du deine Trauer jetzt zuhörst, was sagt sie dir eigentlich gerade?
00:07:29: Was meinst du?
00:07:30: Was versucht sie dir gerade zu zeigen?
00:07:34: und wenn es dir gerade so viel wird und so schwer dann sucht ihr unterstützen ein Coach eine Therapeutin vielleicht sogar eine Seelsorge.
00:07:44: darüber reden hilft auf jeden Fall.
00:07:49: Ein anderen Gedanken, den ich gerne noch mit euch teilen möchte ist die Trauer als Familie.
00:07:59: Also wenn wir über Trauer sprechen denken wir ja oft an einzelne also eine Person, die etwas oder jemandem verloren hat.
00:08:07: Systemisch betrachtet trauert jedoch nie nur ein Mensch sondern immer auch ein Familiensystem.
00:08:14: Ein Verlust verändert die Ordnung, manchmal leise und manchmal richtig tiefgreifend.
00:08:21: Vielleicht fehlt eine Person, die zuvor halt gegeben hat oder jemand der vermittelt hat oder eine, der getragen wurde?
00:08:30: Mit dem Verlüst geraten Rollen ins Rutschen.
00:08:34: Da wird zum Beispiel eine Tochter ganz plötzlich zur Stütze, ein Sohn übernimmt Verantwortung die vorher jemand anderes hatte oder jemand zieht sich auch zurück weil kein Platz für die eigene Trauer zu sein scheint.
00:08:48: Trauer zeigt sich im Familiensystem oft sehr unterschiedlich.
00:08:52: manche sprechen ganz viel andere gar nicht.
00:08:57: manche weinen auch zusammen und andere funktionieren einfach nur weil.
00:09:01: es muss ja weitergehen.
00:09:05: Das kann total irritieren und es kann auch verletzen.
00:09:10: Unterschiedlichkeit bedeutet jedoch nicht fehlende Liebe, sie bedeutet unterschiedliche Wege mit dem Schmerz umzugehen – unterschiedliche Loyalitäten, unterschiedliche Schutzmechanismen.
00:09:26: Manche Familien trauern gemeinsam und andere nebeneinander und manche verlieren sich für eine Zeit auch aus dem Blick.
00:09:35: besonders herausfordernd wird ist, wenn unausgesprochene Regeln entstehen.
00:09:39: So was wie?
00:09:41: wir sprechen nicht darüber, weil wenn wir da drüber sprechen dann wird es ja real oder wir müssen stark sein oder jetzt darf kein weiterer Schmerz dazukommen.
00:09:54: diese Regeln wollen oft schützen doch sie können die Trauer einsam machen.
00:10:00: In der therapeutischen Arbeit wird dann sichtbar, Trauer braucht Beziehung.
00:10:04: Aber Beziehungen braucht auch Sicherheit.
00:10:07: Und manchmal ist ein erster Schritt nicht das Sprechen über den Verlust sondern das Anerkennen der Unterschiede.
00:10:15: So trauerst also du und so trauere ich.
00:10:20: Trauer im Familiensystem bedeutet Nicht gleich zu fühlen Sondern einander Platz zu lassen.
00:10:28: Das ist manchmal gar nicht so einfach.
00:10:31: Und wenn ihr als Familie in eurer Trauer bemerkt, dass es schwierig ist.
00:10:36: Dass sie euch voneinander entfernt, dann sucht auch ihr euch Unterstützung damit Ihr als Familie wieder einen gemeinsamen Weg findet.
00:10:45: Das kann in der Familientherapie passieren das kann aber auch in Trauergruppen passieren vielleicht auch mit anderen zusammen.
00:10:55: Aber sucht euch Unterstützung.
00:10:57: ich habe mittlerweile schon viele Familien begleitet da drin und ich finde, dass immer wieder wunderbar zu sehen wie sich auch in diesen schweren Phasen die so lang erscheiden.
00:11:13: Und wo man die Familien selber manchmal das Gefühl haben, es hat überhaupt keinen Ende kann es sich einfach mal besser werden wenn dann wirklich wieder etwas besser wird.
00:11:23: Wenn man sich öffnen kann wieder zueinander stehen kann und wenn man bei aller Unterschiedlichkeit, die in den Trauern einfach sichtbar wird.
00:11:34: Wenn man sich wieder erkennt und für einen anderen da sein kann.
00:11:38: Also versuch das ruhig!
00:11:48: Das war eine weitere Folge von Neulich im Therapiekafé Geschichten über das Wachsen, Zweifeln und Wiederfinden.
00:11:56: Hat dich das Gespräch berührt?
00:11:58: Erinnert dich das ein oder andere an dein eigenes Leben?
00:12:02: Ich bin Dr.
00:12:02: Kerstin Klappstein und wenn du Unterstützung suchst, schau gerne in meiner Online-Praxis vorbei – den Link findest Du in den Shownotes.
00:12:10: Schön dass Du dabei warst!
00:12:12: Bis zum nächsten Mal im Therapiekafé.
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