Katharina – Nicht mehr neben mir, sondern wieder in mir

Shownotes

Eine Trennung beendet nicht nur eine Beziehung. Sie kann auch das Vertrauen in die gemeinsame Geschichte, in andere Menschen und in die eigene Wahrnehmung erschüttern. Katharina erzählt von einer Krise, die sie völlig unvorbereitet trifft. Nach mehr als 30 Jahren Beziehung erfährt sie, dass sie über einen längeren Zeitraum betrogen wurde. Während sie im Alltag weiter funktioniert, reagiert ihr Körper längst auf den Ausnahmezustand: mit Panik, Schlaflosigkeit, Übelkeit und unkontrollierbaren Tränen.

Im Gespräch geht es um Therapie als Anker und um die entlastende Erfahrung, die Verantwortung für den eigenen Heilungsprozess nicht vollständig allein tragen zu müssen. Katharina spricht darüber, wie sie ihre Verletzlichkeit nicht versteckt, sondern Freunde und Wegbegleiterinnen aktiv um Unterstützung gebeten hat. Diese Folge zeigt, dass Stabilität nicht bedeutet, dass nichts mehr wehtut. Es bedeutet, sich selbst wiederzufinden. Allein sein zu können, ohne zwangsläufig einsam zu sein. Und darauf zu vertrauen, dass nach einem schweren Abend ein neuer Tag kommen wird.

Katharina steht heute wieder auf festerem Boden. Noch nicht ohne Unsicherheit, aber mit neuer Kraft und wieder mehr bei sich. Wenn dich dieses Gespräch berührt oder du selbst nach einer Trennung, einem Vertrauensbruch oder in einer tiefen persönlichen Krise Unterstützung suchst, findest du auf meiner Webseite Informationen zu meinen therapeutischen Angeboten.

Hör rein, teil die Folge und gib dir die Zeit, die dein eigener Weg braucht.

Dr. phil. Kerstin Klappstein arbeitet als systemische Paar- und Familientherapeutin in Hamburg & online. Sie begleitet Menschen bei persönlichen, partnerschaftlichen und familiären Herausforderungen – ressourcenorientiert, traumasensibel und bindungsorientiert. www.dr-klappstein.de

Technische Umsetzung mit Unterstützung von www.alles-eitel.de

Transkript anzeigen

00:00:06: Willkommen bei Neulich im Therapiekaffee, dem Podcast in dem wir darüber sprechen was nach und zwischen den Therapiesitzungen geschieht.

00:00:14: Ich bin Dr.

00:00:15: Kerstin Klappstein, systemische Familientherapeuten und Traumotherapeutinnen und habe meine Praxis in Hamburg und berate auch online.

00:00:24: In meinem Podcast erzählen Menschen von ihren Erfahrungen auf dem Weg durch die Therapie – von Aha-Momenten, Veränderung, Stolpersteinen.

00:00:34: Es geht hier nicht um Therapie im fachlichen Sinn, sondern um Geschichten die Menschen erleben.

00:00:41: Also lehnt dich zurück, schnappt dir einen Kaffee und komm mit in ein Gespräch voller Mut, Echtheit und Hoffnung!

00:00:49: Heute habe ich Katharina zu Besuch in meinem Therapiekaffee aber erst mal gibt es einen Tee.

00:00:55: Ich gehe jetzt

00:00:56: mal davon aus, dass ihr den Tee wollt.

00:00:57: Ja sehr gerne.

00:01:00: Dankeschön.

00:01:03: Bevor

00:01:06: wir so einsteigen in das Thema und warum sie überhaupt hierhergekommen sind, hätte ich gerne von Ihnen gewusst.

00:01:13: Ich mache ja immer zum Anfang eine Befindlichkeitsfrage.

00:01:18: Und

00:01:18: bei Ihnen hätte ich halt gerne gewusst – und nachher erklärt sich auch

00:01:22: auf warum ich

00:01:23: gerade diese Fragestelle – auf welchem Grund stehen Sie denn grade?

00:01:28: Wie fühlt es sich gerade Ihre, die Erde unter Ihren Füßen an?

00:01:37: Ich glaube, ich stehe auf Sand.

00:01:41: Aber auch festen Sand?

00:01:43: Also es gibt ja so Teile mal am Strand die man näher oder weniger nahe am Wasser sind aber die deutlich fester sind.

00:01:49: Auf denen man in aller Regel also ich jedenfalls besser laufen kann.

00:01:54: Aber ich weiß noch nicht was als nächstes kommt.

00:01:57: Es gibt rechts und links weichere Phasen und mein Verdacht ist es gibt vielleicht auch Trebsand.

00:02:03: Okay!

00:02:05: Aber ich steh im Moment.

00:02:09: Gut, da können wir ja vielleicht nachher

00:02:10: noch ein

00:02:11: bisschen was

00:02:12: zu erfahren.

00:02:12: Warum Ihre

00:02:12: Erde jetzt gerade so ist?

00:02:15: Aber vielleicht mögen Sie uns am Anfang nochmal ein klein bisschen von sich erzählen also damit die Zuhörerinnen auch noch so ein bisschen wissen wo oder eine Vorstellung

00:02:24: haben davon

00:02:25: wer sind sie überhaupt?

00:02:27: Also ich bin Katharina Ich bin wie alt bin ich?

00:02:30: Fünfzig Jahre alt.

00:02:32: Ich habe drei Kinder und arbeite in der Schule, in einer verantwortungsvollen Position.

00:02:39: Und lebe in Hamburg, in Eimsbüttel... ...und lebe seit einem Dreivierteljahr etwa getrennt.

00:02:50: Genau!

00:02:50: Und kenne sie seit dem halben Jahr einfach.

00:02:53: Da ist ja schon dahin, weißt du vielleicht auf den Anlass?

00:02:57: Also was war eigentlich der Anlass dafür, dass Sie gekommen sind?

00:03:03: Der Anlass war das ich in eine Trennungssituation, ich sag mal geraten bin.

00:03:13: Ich hätte mir schon vorstellen können dass wir uns irgendwann mal trennen aber bestimmt nicht zu dem Zeitpunkt und auf die Art.

00:03:21: Also mein Partner hat entschieden sich von mir zu trennen oder tatsächlich auch für den Kindern loszulösen erstmal und zwar vor dem Hintergrund das ich offensichtlich über einen deutlich längeren Zeitraum betrogen worden bin und die zweite Geige gespielt hat, vermutlich.

00:03:42: Und

00:03:43: Sie wussten aber gar nichts davon?

00:03:44: Ich wusste davon überhaupt nicht!

00:03:46: Das habe ich auch wirklich nicht geahnt weil ich dachte wenn wir uns mal trennen dann kriegen wir das... Wir sind ein gutes Team immer gewesen eigentlich auch in durchaus allen möglichen Höhen oder kommen aus zwei verschiedenen Kulturen, in zwei verschiedenen Ländern die da immer so mit Verantwortlichkeiten mal hier und mal darin spielen.

00:04:06: Da muss man schon ziemlich viele Absprachen treffen.

00:04:08: das haben wir eigentlich immer ziemlich gut hingekriegt Und ich habe gedacht Wir haben über dreißig Jahre zusammen gelebt dass Man sich da echt diesen Wert dieses lang gemeinsamen solinarischen Familienlebens sozusagen dass wir uns das anders hätten retten können So.

00:04:25: Und die Entscheidung ist mir irgendwie ein bisschen abgenommen worden.

00:04:28: und dann habe ich relativ schnell gemerkt, Ich bin überhaupt nicht in der Lage darauf alleine zu reagieren.

00:04:35: Das

00:04:36: wäre nämlich meine nächste Frage gewesen.

00:04:38: In welchem Zustand haben Sie sich eigentlich

00:04:41: befunden?

00:04:43: Also unmittelbar als ich die Information gekriegt hab, bin ich nur noch abgestürzt also wirklich quasi so als hätte mir jemand den Boden weggezogen Körperlich, also so habe ich das Gefühl gehabt.

00:04:57: Mein Körper hat richtig mit totalem Ausschlag und Kreislaufproblemen.

00:05:01: Ich konnte überhaupt nicht mehr schlafen, totale Panikattacken gekriegt und so erstmal so eine Zeit lang geht?

00:05:07: Ich weiß gar nicht mehr genau wie lange, ob das Tage waren oder durchaus Wochen... Also wirklich so richtig dass sich das Gefühl hatte mir ist Speiübel Ich kann nichts essen und ich weiß gar nicht mehr, wo unten und oben ist.

00:05:21: Also ich

00:05:22: erinnere mich auf jeden Fall daran als wir uns kennenlernten war das so unser Bild als wenn man ihn den Boden weggerissen hätte und sie haben ganz schön reagiert und ich würde eher denken es waren...

00:05:34: Monate.

00:05:35: Vielleicht ja,

00:05:37: auf gar keinen Fall Tage?

00:05:38: Nein also ich glaube ich habe dann ein Stück weit funktionieren müssen weil aus verschiedensten Gründen war nicht die Situation dass ich oder wir beide hatten uns dann entschieden wie informieren die Kinder gemeinsam darüber und zwar auch dann wenn sie zusammen sind.

00:05:53: Wir haben drei Kinder Und das passte in dem Moment einfach nicht aus verschiedenen Gründen.

00:05:58: Die Mädchen waren gerade im Ausland und so weiter, deshalb musste ich das erst mal aushalten darauf zu warten.

00:06:04: Da ich aber dann vor dem Kind was mit uns in den Moment zusammen gewohnt habe quasi ein Theater spielen musste bis die beiden anderen wieder da waren, musste ich auf eine Art funktionieren.

00:06:14: Ich konnte offensichtlich ganz gut Theater spielen, aber körperlich... würde ich sagen, war da in so einem ziemlichen Wrackzustand.

00:06:23: Ich habe auch gearbeitet weiter also ich hab mich einen Tag nur ausgesetzt.

00:06:27: Ich brauchte auch die Routine, ich brauchte die vertrauten Menschen um mich herum offene Ohren und wie das in Schule so ist musste ich ganz schnell noch ein paar Dinge regeln fürs nächste Schuljahr mit dem Bewusstsein Das kann sein dass ich da nicht voll mit voller Kraft mit volle Konzentration Verantwortung übernehmen kann Und das wollte ich zumindest vorwahren.

00:06:47: Da hab' ich tolle Unterstützung bekommen und mir sehr der Rücken frei geschaufelt worden, da hab' da sehr mein Team um mich rumgespürt... ...und deshalb ging das ganz gut doch wieder so.

00:06:57: Aber

00:06:57: ich glaube das was echt also was der Körper dann macht mit solcher Informationen?

00:07:03: Ja!

00:07:04: Also dieses.

00:07:05: aber einmal passiert irgendwas ne?

00:07:07: Ausschlagübelkeit keine Ahnung nicht mehr schlafen können und dann aber nach so einer, ich würde ja schon sagen auch traumatisierenden Erfahrung weder Körper dann trotzdem funktioniert.

00:07:20: Also sie sind einfach

00:07:21: weitergelaufen?

00:07:22: Genau!

00:07:22: Ich bin tatsächlich weiter gelaufen.

00:07:24: aber also wenn man mich manchmal gefragt hätte wie ich da überhaupt hingekommen bin oder warum wie ich eigentlich vorwärts oder rückwärz oder auf der rechten oder linken Straßenseite weiß ich nicht ob ich das hätte beantworten können.

00:07:34: und ähm...also Ich habe eigentlich ein ganz gutes Verhältnis, glaube ich, zu meinem Körper und habe diverse was weiß ich.

00:07:41: Tai Chi und Shi Gung und Yoga und alle möglichen Sachen Atom Trainings und so mal in meinem Leben gemacht aber ich hatte irgendwie nicht mehr die Möglichkeit sozusagen das unter Kontrolle zu kriegen.

00:07:52: also ich bin tatsächlich auch über Monate immer einmal wieder in Situationen wo es für mich nicht so klar erkennbarer Auslöser gab immer wieder einfach in Tränen ausgebrochen.

00:08:01: auch während des Arbeitsalltags Konnte ich wirklich nicht so kontrollieren?

00:08:07: Wenn man weiß, dass in Tränen ausbrechen Schwindelgefühle und dass das eigentlich eine gute hilfreiche Reaktion des Körpers ist.

00:08:18: Über Tränendflüssigkeit schleudern wir auf Stressformone raus.

00:08:23: Das ist alles gut!

00:08:25: Ist aber in solchen Situationen nicht immer unbedingt hilfreich, weil man will es gar nicht.

00:08:29: Und es übermandt einen

00:08:31: so.

00:08:32: Und das ist natürlich total anstrengend.

00:08:34: Eigentlich hat so aus Traumasicht ihr Körper genau das gemacht, was er machen muss war aber anstrent.

00:08:44: Ja und ich bin mit so einer Situation überhaupt nicht vertraut oder erfahren gewesen.

00:08:50: also ich habe mich dem nur quasi nur hingeben können und hab gedacht der Körper hat schon recht zu reagieren.

00:08:55: Das bin ja irgendwie ich Aber irgendwie kann ich es nicht so steuern wie ich das sonst manchmal gerne hätte Und ich habe dann relativ schnell, glaube ich gemerkt.

00:09:05: Also diese Schlafschwierigkeiten hab' ich bis jetzt immer noch.

00:09:07: Das ist wirklich auch echt eine Dauerbelastung die sehr herausfordernd is'.

00:09:12: Aber ich hab einen Weg gefunden damit umzugehen und auch mit allen möglichen Einschränkungen oder Fragezeichen oder so... ...hab' ich einen Weg gefunden damit um zu gehen und hab einfach versucht da hat mir tatsächlich ein bisschen so ein Körperbewusstsein vielleicht auch geholfen Das zu tun, was mir gut tut.

00:09:28: Also viel zu Fuß zu gehen, viel in der frischen Luft sein und so weiter.

00:09:32: Irgendwann sind

00:09:34: Sie ja dann

00:09:36: bei mir gelandet?

00:09:36: Ja!

00:09:37: Und ich weiß das auch noch sehr gut weil die Not- und die Anspannung war total

00:09:44: spürbar.

00:09:45: Also in dem Moment, wo sie reinkam schon vorwege war irgendwie ganz deutlich da ist ganz große Not.

00:09:53: Das ist jetzt nichts was jetzt irgendwie mal drei Monate warten kann weil man irgendwann über

00:09:57: etwas reden will

00:09:58: sondern das war wirklich heftig und dann haben wir ja angefangen miteinander zu arbeiten und miteinander zu reden.

00:10:08: Was würden Sie denn jetzt sagen?

00:10:10: Was war denn hilfreich

00:10:14: Prozess.

00:10:15: Also wo sagen Sie, weil in diese Situationen, in der sie jetzt gewesen sind oder ja auch immer noch sind kommen ja viele andere Menschen auch und da ist er dann schon so die Frage warum?

00:10:28: es ist dann eigentlich hilfreich zu einer Therapeuten zu gehen.

00:10:31: aber was war denn für Sie hilfreich?

00:10:36: Also erstens glaube ich war mir relativ klar dass kann ich nicht alleine, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll und wie tief ich überhaupt einsteigen soll.

00:10:47: Und wie ich überhaupt vorgehe.

00:10:49: also ich kenne den Bereich nicht gut genug und dachte das muss sich mir von jemandem sagen lassen oder dann brauche ich auch eine Steuerung.

00:10:58: wann ist es auch genug?

00:10:59: Wann ist es tief genug?

00:11:01: Wo muss ich aber auch noch mehr unbequeme Fragen stellen um überhaupt vorwärts zu kommen?

00:11:07: Und da habe ich einfach das dringende Bedürfnis gehabt, dass möchte ich an andere Hände geben und die Verantwortung davon abgeben.

00:11:12: Ich bin bereit jeden Weg zu gehen.

00:11:13: Ich nehme die Herausforderung an, dass die Situation jetzt so ist wie sie ist aber... ...ich kann das nicht gleichzeitig sozusagen kontrollieren planen.

00:11:22: So ein Projektmanagement sage ich mal übernehmen sondern das wollte ich gerne in anderen Händen wissen.

00:11:27: Das Projektmanagement ihrer eigenen körperliche Reaktion auf eine wahnsinnige Krise!

00:11:34: Ja, aber ich meine auch so was wie?

00:11:38: wann bespreche ich was mit den Kindern.

00:11:41: Also wie zeige ich mich?

00:11:43: Welche Ehrlichkeit welche Verzweiflung welche Perspektiven und so weiter.

00:11:50: also Ich möchte nicht die Kinder zu meinen erwachsenen Gesprächspartnern machen wo sie alle drei eigentlich erwachsen sind.

00:11:56: Die haben in mir eine andere Rolle gesehen und gerade in dem Moment mich auch an der völlig anderen Funktion gebraucht.

00:12:01: Sie haben unterschiedlich reagiert, ich hatte das Gefühl sie brauchten mich.

00:12:07: Insbesondere dafür brauchte ich wirklich die unmittelbare Hilfe.

00:12:14: was ist jetzt angemessen?

00:12:15: Und da waren sie der Anker einfach.

00:12:20: Und in so ganz anderen Fragen wirklich auch, womit möchte ich mich auseinandersetzen?

00:12:25: Wie tief möchte ich eintauchen?

00:12:28: Wo kriege ich meine Stabilität wieder her?

00:12:31: Also das war glaube ich die wichtigste Erfahrung.

00:12:34: Sie haben immer wieder mir zwei Sätze gesagt, glaube ich nämlich dass eine ist... Das ist kein Wunder, dass sie noch nicht weiter sind manchmal!

00:12:42: Das ist noch alles ganz frisch langsam und Ich bin erstens ein ungeduldiger Mensch und zweitens glaube ich in dem Fall habe ich gehofft, dass es schneller greift.

00:12:53: Also nicht das alles wieder so ganz normal ist aber dass es stabiler wird.

00:12:57: und das zweite glaube ich war einfach auch dieses...ich bin bereit mich auf meinen Weg zu machen!

00:13:04: Und wie geht das überhaupt?

00:13:09: Welcher

00:13:10: Weg soll es denn jetzt sein?

00:13:12: Ja, genau.

00:13:13: Und da tauchen ja dann wirklich Fragen auf, wo's überhaupt nicht mehr um diese Beziehung oder dieser Art der Trennung ging sondern auch was in meine Werte, was ist mir wichtig, was möchte ich machen, was möcht ich beibehalten so...

00:13:27: Ich befier ein Beispiel.

00:13:30: Wenn wir uns irgendwie verlegen haben oder wenn wir uns komisch bewegt haben und dann tut er auf einmal der Rücken weh.

00:13:40: Da wissen wir ja auch, es ist eine kleine Bewegung und manchmal tut das tagelang manchmal sogar wochenlang irgendwie weh.

00:13:46: Und wir müssen mit dem Gymnastik dagegen an und damit Wärme und mit Physiotherapie und so was alles.

00:13:52: Und da erwarten wir das gar nicht.

00:13:54: Dann wünschen wir uns zwar dass es sofort irgendwie wieder besser geht, geht aber nicht!

00:13:58: Das wissen wir.

00:14:00: bei

00:14:00: solchen

00:14:01: emotionalen Krisen hätten wir das auch immer gerne, was da sofort irgendwie weggeht.

00:14:07: Aber die Beeinträchtigung – und das haben sie ja schon ganz gut beschrieben – wie ihre Skabas und ihrer Emotionen war so

00:14:15: heftig, dass

00:14:17: kann man nicht mal eben

00:14:18: wegwischen!

00:14:19: Und ich finde auch, dass überhaupt zu erwarten.

00:14:22: natürlich wäre es schön gewesen wenn sie da irgendwie fröhlich durchgegangen wären.

00:14:25: Aber das passt auch nicht zu dreißig Jahren Beziehung und drei Kinder und viele Erlebnisse und auch von uns die Sie ja

00:14:32: auch erlebt haben.

00:14:33: Ja, ich find' das ist ein schönes Bild.

00:14:35: also diese Geduld aufzubringen, zu warten der Körper wird das schon irgendwie wieder hinkriegen.

00:14:40: Der kriegt es schon irgendwie dahin.

00:14:41: Also ich krieg auch meine Psyche wahrscheinlich irgendwann wieder hin oder so.

00:14:45: aber... Ich muss da eben sehr geduldig sein und vielleicht kann ich strategisch ein bisschen unterstützen.

00:14:52: Und ansonsten muss ich auch einfach abwarten.

00:14:56: Und das ist auch eine spannende Zeit, finde ich also sich dazu beobachten.

00:14:59: Also ich habe dadurch aus Gedanken- und Erfahrungen gemacht oder Dinge über mich kennengelernt so die ich auch nicht messen möchte aber das war in jedem Fall In dieser Größe der Herausforderungen hätte ich das gerne ein bisschen kleiner gehalten.

00:15:15: Ein bisschen

00:15:16: anders?

00:15:17: Ja!

00:15:18: Aber Sie sagten, dass jetzt gerade uns ist ja auch eine spannende Zeit.

00:15:21: Welche Erkenntnisse haben sie denn da für sich gewonnen in diesem Prozess auf den wir so zusammengegangen sind aber überhaupt innerhalb dieses Prozesses?

00:15:34: Also vielleicht gab es ja auch Dinge die Sie überrascht

00:15:37: haben.

00:15:40: Ich glaube, ich habe am Anfang wahnsinnig reagiert auf dieses Betrogen sein.

00:15:48: An dieser Trennung sehe ich auch meine Anteile und so das finde ich nach wie vor, würde ich sagen da gehören immer zwei dazu.

00:15:55: Da übernehme ich mit Verantwortung, da hätten wir einen anderen Weg gehen können um das besser zu managen usw.

00:16:01: Das war nicht die Herausforderung aber... dass unvorbereitet sein und das betrogen worden seien.

00:16:09: Und zwar nicht mal so spontan, zufällig ich muss dir sagen Schatz!

00:16:13: Ich habe mich verliebt oder irgendwas sondern über so einen langen Zeitraum bewusst hintergangen zu sein.

00:16:18: Das hat mich völlig auch körperlich als Frau in Frage gestellt Als Partnerin, als Frau, als Person auf Augenhöhe Auf allem was für mich sozusagen auch in der Beziehung irgendwie ein Wert ausgemacht hat Und ich hab mich so... Also wirklich, ich hatte glaube ich mal irgendwann gesagt und habe mich wirklich lange gefühlt.

00:16:39: Also gedemütigt nackt ausgezogen auf irgendeine Krütsung gestellt gefühlte macht alle mit mir was ihr wollt da kann man nicht mehr viel kaputt machen.

00:16:47: so und daran muss sich erstmal glaub ich arbeiten.

00:16:50: das war der wichtigste schritt nicht mehr panisch durch diese stadt zu laufen und zu sagen oh Gott die gucken mich alle an Oh Gott die anderen leute sind glücklich miteinander.

00:16:59: O Gott was denken die von mir?

00:17:00: sieht mein Metas an?

00:17:02: und so weiter.

00:17:03: Und das ist mir, glaube ich, inzwischen gelungen.

00:17:06: Also das ist vielleicht die erste Erkenntnis.

00:17:08: Ich bin wieder in mir und ich – nicht unantastbar aber ein Stück weit stabiler!

00:17:18: Ein großer Schritt, in dem irgendwann haben sie gesagt ich fühle mich jetzt

00:17:23: auch schon wieder

00:17:24: besser.

00:17:25: Und Sie haben gesagt so ich gehe jetzt irgendwie raus und habe sich schöne Dinge

00:17:29: gesucht für sie wichtig

00:17:31: sind und da auch wieder auf sich selbst zu achten.

00:17:35: aber man sieht halt einfach nochmal was das mit einem Menschen macht solche Krise dass jetzt des Betrogen sein ist oder ob es halt auch um ganz andere Dinge geht.

00:17:48: Das kann man ja nicht einfach wegatmen, wäre schön gewesen.

00:17:52: Ja und ich bin glaube ich ein Mensch... Ich glaube ich übernehme gerne Verantwortung für alles Mögliche was ich tue.

00:17:58: auch wenn ich Fehler mache kann ich einigermaßen glaube ich dazu stehen oder versuchen das wieder gut zu machen oder nächstes mal nicht sozumachen aber etwas mit mir so derartig gemacht wird, ohne dass ich überhaupt dazu gefragt werde und das aber auf mich so einen riesigen Effekt hat.

00:18:16: Und nicht nur auf mich sondern auch eigentlich auf mein gesamtes soziales Umfeld.

00:18:19: also egal ob das Freunde sind oder Familie oder Kinder oder Nachbarn oder Arbeitskollegen oder keine Ahnung wäre.

00:18:27: Das hat ja mit allen Beziehungen macht das plötzlich was und sich dann neu zu sortieren und zu positionieren.

00:18:37: Das war herausfordernd!

00:18:40: Aber das haben Sie in Stüpfheit schon geschafft.

00:18:43: Ja, ich glaube also sie fragten für nach so einer Erkenntnis... Also ich glaube mit der Erkenntniss... Ich gebe mit aller Offenheit in dieses sich verletzlich machen.

00:18:56: Also ich war hochgradig verletzlich glaube ich in der Zeit Und ich hab das nicht versucht zu verstecken, sondern ich habe versucht damit umzugehen und den Leuten auch zu sagen.

00:19:05: Ich brauche jetzt Hilfe!

00:19:06: Leute mir ist heute irgendwie dass und das passiert wir haben blödes Gespräch gehabt hinterher oder ich weiß nicht wie ich mit den Kindern umgehen soll und dann habe ich wirklich Freunde angesprochen gesagt ich brauch jetzt Unterstützung Oder was?

00:19:16: Was ich kann Silvester noch nicht gut alleine sein.

00:19:19: die Kinder haben ihr Programm irgendwie hallo leute wer nimmt mich mit so also so wirklich aktiv auch nicht abzuwarten und zu gucken wenn tab ich in die Falle Und leide darunter, dass es mir nicht gut geht.

00:19:31: Sondern ich hab versucht das aktiv zu gestalten und ich habe Gott sei Dank immer erlebt, dass Leute mich mit offenen Armen aufgenommen haben und das sehr geschützt haben.

00:19:41: Aber auch da waren ... Das hätte ja auch mal schiefgegen können!

00:19:45: Natürlich hätte das auch schief gehen können aber ich erlebe... Ganz oft, dass Menschen sich in solchen Krisensituationen, wenn sie sich so fühlen wie Sie es sehr

00:19:54: plakativ beschrieben

00:19:55: haben und man fühlt sich so bloß gestellt.

00:20:03: verletzlich und dann aber den Mut zu haben, auf andere zuzugehen.

00:20:07: Weil man denn ja immer davon ausguckt oder viele gehen dann davon

00:20:10: aus,

00:20:11: naja ich will ja denen auch nicht stören und jetzt habe ich schon wieder irgendwie das Bedürfnis da anzurufen, aber vielleicht lass sich das lieber und bestimmt machen diese Wester ihre Party und ich sitze da und weine in meinen Sektglas oder so?

00:20:23: Genau!

00:20:25: Und das ist aber trotzdem zu tun und dann weint man eben ins Seckglas.

00:20:31: also Und in der Gewissheit, aber ich bin hier nicht allein und darf da auch so sein.

00:20:36: Ja.

00:20:38: Ich vermute ... dass es ziemlich selten passieren würde.

00:20:44: In solcher Situationen, wenn jemand fragt, Mensch, hast du Zeit oder so?

00:20:49: Man ist ablehnt.

00:20:51: Ich glaube Freunde würden doch... Das machen doch Freunde aus!

00:20:55: Die dann vor allem da sind, wenn ... kann man irgendwie in der Krise stecken?

00:21:00: Ja, absolut.

00:21:01: Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das bei sämtlichen Frauen und zwar alleinerziehenden Müttern, die schon sehr lange kenne bis hin zu Arbeitskolleginnen, bis hin zur Nachbarin

00:21:13: usw.,

00:21:14: deutlich stabiler funktioniert hat und sehr viel mehr Sensibilität und Solidarität – vielleicht auch so eine Frau-Solidarität da war als beim Männern, die mir zum Teil als Erstes erzählt haben wie sie auch schon mal ihre Frau betrogen haben und dass es ihnen natürlich so Leid tut.

00:21:32: oder jetzt ist aber auch mal gut.

00:21:34: Oder ich sage dazu gar nichts, weil der wird schon wissen was er tut und dazu gehören ja immer zwei und haben sich schon ganz andere getrennt.

00:21:40: also wirklich dumme unüberlegte Sprüche die mir nicht gut getan haben, die ich aber auch jetzt mit ein bisschen Abstand wirklich nicht besonders clever und hilfreich fand.

00:21:50: Also ich wollte auch nicht von den Leuten dass ich ihnen so leidtou, wenn ich ihn gar nicht leidtu oder irgendwas.

00:21:56: Aber das war einfach wirklich ... Da fehlte mir ein Stück weit eine Lebensfestigkeit und eine Lebenserfahrung.

00:22:02: Die habe ich bei Frauen mehr gespürt.

00:22:05: Aber die sind ja da gewesen.

00:22:06: insofern war es völlig okay.

00:22:08: Ja, dass das so

00:22:09: gewesen

00:22:10: ist.

00:22:12: Wo stehen Sie denn jetzt?

00:22:15: Also was

00:22:20: will sie sagen?

00:22:20: wo im ganzen Prozess stehen Sie jetzt?

00:22:21: Nicht mehr neben mir, sondern wieder in mir.

00:22:24: Das ist schon mal ganz gut!

00:22:27: Sehr schön!

00:22:28: Also ich für mich habe da eine Stabilität erfahren und Wege gemacht oder macht die natürlich noch lange weiter machen glaube auch aber Dinge entdeckt zu denen ich bereit bin mit ihnen auseinanderzusetzen, die ich glaube weiterhin auch spannend finde.

00:22:46: also sie werden mich begleiten kann mir im Moment nicht vorstellen, dass ich hinter diesem jetzigen Entwicklungsstand so richtig mal zurückfalle und so richtig plump.

00:22:55: So als wäre da nichts gewesen.

00:22:57: diese Entwicklung gehört jetzt irgendwie so dazu.

00:23:00: So hundertprozentig stabil finde ich mich noch nicht.

00:23:04: das gibt immer wieder auf so ein Abs offensichtlich und das ganze System ist noch ziemlich fragil aber es ist eine gute Portion Stabilität dar die Kraft deutlich in mir.

00:23:17: Also ich habe es geschafft, sie in mich zu verlangen und das finde ich sacht sich jetzt so.

00:23:20: im Nachhinein.

00:23:21: so etwas wäre mir ehrlich gesagt auch vor zwei Jahren nicht bewusst gewesen dass ich doch so viel meiner eigenen Persönlichkeit so in Familie und in ein Miteinander und wir sind eben sich dauernd abstimmende Erwachsene usw.

00:23:34: uns weitergegeben hab.

00:23:35: und jetzt bin ich es halt.

00:23:38: also wenn ich jetzt nicht für mich da bin dann ist da erstmal keiner so hundertprozentig.

00:23:44: Das ist schon ein Wahnsinns-Wandel.

00:23:49: Da würde ich auch wieder sagen, dann lassen Sie sich Zeit da anzukommen, weil das was jetzt über dreißig Jahre so war und was ja auch gewachsen ist und was in vielen Bereichen total gut war wo sie gesagt haben, dass waren ja auch schönen

00:24:05: Zeiten.

00:24:05: Ja absolut.

00:24:07: Gut ist miteinander und so... von sich zu erwarten, okay ich versuche jetzt gerade mal... Ich mache jetzt alles neu und ich baue mich da ganz neu auf das Brauchzeit.

00:24:17: Und ich glaube auch dass es klug ist, sich dabei Zeit zu lassen!

00:24:22: Ja und überhaupt erstmal festzustellen, wenn man so den ganzen Tag... also das ist ja auch ein bisschen jetzt eine Freiheit.

00:24:28: Also dass ich mich fragen kann was will ich denn jetzt eigentlich?

00:24:31: Will ich jetzt vielleicht auch mal Samstoss einfach im Bett liegen und bis um zwölf Zeitung lesen oder möchte ich irgendwie laufen gehen oder möchte sich irgendwie keine Ahnung lieber um die Alzer wandern?

00:24:42: Vorher war da auch immer die Frage der Zwischen, was machen denn so die anderen?

00:24:46: Also das ist wirklich auch neu mich in erster Stelle zu stellen und einfach zu sagen, was brauche ich denn jetzt eigentlich.

00:24:52: Okay ja noch mache ich das vielleicht oder ich mach es auch nicht.

00:24:55: Und festzustellen zum Beispiel dass ich gut und viel Zeit mit mir alleine brauche und dass das nicht heißt Ich bin hier völlig vereinsamt und von dem Rest der Welt nicht geliebt sondern Eigentlich geht's mir damit ganz gut.

00:25:06: Ja, ich finde es ist ein Unterschied.

00:25:08: Ob ich sage Ich bin einsam oder ich bin mit mir und ich bin allein.

00:25:13: Genau.

00:25:14: Das muss ja

00:25:14: gar nicht... Ich glaube Einsamkeit ist dann schon noch mal was anderes.

00:25:19: Aber auch gut mit sich alleine

00:25:21: sein zu können

00:25:23: Ist auf jeden Fall ein Gewinn.

00:25:25: Also sie... Ich habe bei ihnen das Gefühl Sie laufen eben nicht weg davor Auch mal unangenehme Gefühle auch dann nochmal zu fühlen.

00:25:34: Ja, und manchmal hauen die mich auch noch um.

00:25:36: Und dann bin ich einsam und traurig und auch nicht besonders sozial kompatibel und lustig und will auch keine Kinofilme sehen oder irgendwas.

00:25:44: Dann ist es einfach so... ...und dann ist das halt ein Scheißabend!

00:25:47: Und dann muss ich am nächsten Tag irgendwie sehen wie ich mich da wieder rausziehe und dann kommt aber auch ein neuer Tag und neuer Sonnenaufgang usw.

00:25:54: So habe ich inzwischen gelernt dass wird kommen und gehen.

00:25:58: vielleicht wie immer im Leben weiß ich nicht hab ich vorher nicht so bewusst So wahrgenommen.

00:26:03: Höhen und Tiefen gab es schon immer irgendwie, aber so einfach die Geduld zu haben da wird schon was weitergehen... Ja.

00:26:12: Das ist jetzt ein Vertrauen.

00:26:14: Also im Vertrauen darauf, es wird schon weiter

00:26:17: gehen

00:26:18: auch wirklich zu gehen.

00:26:20: Und dann halt kleine Schritte und vielleicht auch manchmal große Schritte

00:26:23: zu gehen?

00:26:26: Das ist doch ein schönes Schlussort.

00:26:30: Dann danke

00:26:30: ich Ihnen für

00:26:31: die Offenheit, für all das was Sie so mit mir geteilt haben!

00:26:38: Ja vielen Dank!

00:26:40: Das war das Gespräch mit Katharina und ich glaube dass es manchmal Ereignisse in unserem Leben gibt, die uns komplett aus der Bahn werfen.

00:26:52: heute war noch alles gut ist der Boden unter den Füßen weggerissen.

00:27:00: Und auch wie dann der Körper darauf reagiert, ist manchmal auf eine Art und Weise die wir bis dahin noch gar nicht kannten.

00:27:08: Das was aber auch sehr deutlich wurde ist dass es gut ist in so einer Krise nicht zu denken ich muss es alleine schaffen sondern loszugehen und sich Unterstützung zu suchen und offen damit zu sein das man Hilfe braucht Weg kreieren kann und dass man Lösungen finden kann.

00:27:29: Und die muss man eben nicht alleine

00:27:39: finden.".

00:27:55: Schön, dass du dabei warst.

00:27:57: Bis zum nächsten Mal im Therapiekafé!

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