Wenn die Seele schreit

Shownotes

Wenn die Seele schreit und der Körper antwortet – warum psychische Krisen körperlich krank machen können Nach dem berührenden Interview mit Katharina widmen wir uns in dieser Sonderfolge einer Frage, die viele Menschen bewegt: Warum reagiert mein Körper so heftig, obwohl die eigentliche Krise vielleicht schon vorbei ist? Psychische Belastungen zeigen sich häufig nicht nur in unseren Gedanken und Gefühlen, sondern auch körperlich – mit Herzrasen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Übelkeit, Schwindel oder innerer Unruhe. Doch diese Symptome sind nicht Ausdruck von Schwäche. Sie sind oft der Versuch unseres Nervensystems, uns zu schützen.

In dieser Folge erfährst du, • warum psychische Krisen körperliche Symptome auslösen können, • weshalb unser Nervensystem manchmal noch lange nach einer Belastung im Alarmmodus bleibt, • wie Verständnis die Angst vor den Symptomen verringern kann, • welche kleinen Übungen helfen können, wieder Sicherheit und Selbstwirksamkeit zu erleben, • und warum Heilung oft damit beginnt, den eigenen Körper nicht länger als Gegner zu betrachten. Denn manchmal verändert ein einziger Gedanke alles: "Mein Körper ist nicht gegen mich. Er kämpft für mich." Diese Folge richtet sich an alle Menschen, die sich selbst oder ihre körperlichen Reaktionen in belastenden Lebensphasen besser verstehen möchten.

Reflexionsfrage zum Schluss: Welche Botschaft könnte dein Körper dir gerade senden – und was braucht er, um sich wieder sicher zu fühlen?

Dr. phil. Kerstin Klappstein arbeitet als systemische Paar- und Familientherapeutin in Hamburg & online. Sie begleitet Menschen bei persönlichen, partnerschaftlichen und familiären Herausforderungen – ressourcenorientiert, traumasensibel und bindungsorientiert. www.dr-klappstein.de

Technische Umsetzung mit Unterstützung von www.alles-eitel.de

Transkript anzeigen

00:00:06: Willkommen bei Neulich im Therapiekaffee, dem Podcast in dem wir darüber sprechen was nach und zwischen den Therapiesitzungen geschieht.

00:00:14: Ich bin Dr.

00:00:15: Kerstin Klappstein systemische Familientherapeuten und Traumotherapeutinnen und habe meine Praxis in Hamburg und berate auch online.

00:00:24: In meinem Podcast erzählen Menschen von ihren Erfahrungen auf dem Weg durch die Therapie – von Aha-Momenten, Veränderung, Stolpersteinen und neuen Blickwinkeln.

00:00:34: Es geht hier nicht um Therapie im fachlichen Sinn, sondern um Geschichten die Menschen erleben.

00:00:41: Also lehnt dich zurück, schnappt dir einen Kaffee und komm mit in ein Gespräch voller Mut, Echtheit und Hoffnung.

00:00:49: Herzlich willkommen im Therapiekafé!

00:00:52: Wenn ihr das Interview mit Katharina gehört habt dann erinnert ihr euch vielleicht noch daran wie eindrücklich sie beschrieben hat was nach der Trennung von ihrem Mann passiert ist.

00:01:04: Sie hat nicht nur psychisch gelitten, sondern ihr ganzer Körper hat reagiert.

00:01:12: Also sie konnte nicht mehr schlafen, ihr war übel.

00:01:15: Sie hatte Panik und sie fühlte sich wie neben sich, wie in so einem Nebel.

00:01:22: Und nichts war mehr so, als es vorher war!

00:01:26: Und vielleicht hast du ja beim Zuhören gedacht, genau so geht es mir jetzt auch gerade.

00:01:31: Oder wow!

00:01:32: Ja das habe ich schon mal gefühlt.

00:01:35: Vielleicht ist es bei dir ja auch eine Trennung?

00:01:38: Vielleicht eine schwere Diagnose?

00:01:41: Vielleicht hast du einen geliebten Menschen verloren oder vielleicht befindest du dich in einem Burnout oder was auch immer vor einer Krise.

00:01:50: und plötzlich spielt dein Körper verrückt dein Herz schlägt schneller, du bekommst schlecht Luft.

00:01:57: Dein Magen rebelliert!

00:02:00: Du kannst nicht schlafen und bist ständig

00:02:02: erschöpft.".

00:02:03: Und irgendwann kommt ein Gedanke dazu... Also was stimmt mir eigentlich mit mir nicht?

00:02:13: Und das, was ich dir heute aber gerne mitgeben möchte ist Vielleicht stimmt mit dir viel mehr, als du gerade glaubst.

00:02:22: Denn dein Körper macht nicht einfach so Probleme weil er mal Bock hat Mageschmerzen und Sodbrennen und Schlafstörungen zu produzieren sondern deinen Körper versucht gerade dich zu schützen.

00:02:35: Unser Gehirn unterscheidet nämlich nicht besonders gut zwischen einer körperlichen Gefahr und einer seelisch-psychischen Erschütterung.

00:02:43: Für unser Nervensystem bedeutet beides zunächst Gefahr Und genau dafür besitzt unser Körper seit Jahrtausenden ein hochwirksames Überlebensprogramm.

00:02:57: Innerhalb von Sekunden werden Stresshormone ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller die Muskeln spannen sich an, die Atmung wird flacher, die Verdauung wird runtergefahren der Schlaf wird leichter und die Aufmerksamkeit richtet sich fast ausschließlich auf mögliche Gefahren.

00:03:18: Eigentlich ist das eine total geniale Einrichtung, weil wenn wir einem wilden Tier begegnen würden könnte genau das unser Leben retten.

00:03:27: Wenn wir weglaufen müssen Füße in die Hand und los wollen wir nicht und können auch nicht gerade nicht auf Klo gehen oder ... Wir können dann einfach nicht einschlafen sondern Müdigkeit ist dann halt nicht das Ding, sondern es geht darum sich vor der Gefahr zu schützen.

00:03:46: Schwierig wird es nur, wenn die Gefahr nicht mehr vor uns steht sondern in uns weiterlebt.

00:03:53: Also nach einer psychischen Krise reagiert unser Nervensystem manchmal noch so als müsste es uns jederzeit beschützen und genau deshalb fühlen sich viele Menschen auch Wochen und Monate später noch wie unter Dauerstrom.

00:04:12: Wenn wir das verstehen verändert sich oft etwas ganz Entscheidendes aus dem Gedanken, mein Körper macht mich krank wird.

00:04:22: Mein Körper versucht gerade mich zu schützen.

00:04:27: Ich höre auch manchmal den Satz Mein Körper ist grade nicht gut zu mir oder der ist gegen mich und es ist aber eine andere Perspektive wenn Wir sehen mein Körper Versucht Gerade Mich Zu Beschützen.

00:04:42: Also allein dieser Perspektivwechsel nimmt vielen Menschen schon einen Teil ihrer Angst und plötzlich ergeben die Symptome einen Sinn.

00:04:50: Und vielleicht kennst du diesen Gedanken auch aus einer anderen Folge?

00:04:55: Ich habe dort gesagt, jedes Verhalten hat einen guten Grund und das möchte ich heute noch ergänzen – auch viele körperliche Symptomen haben einen gutengrund!

00:05:04: Sie sind Lösungsversuche unseres Nervensystems Ist nicht immer unbedingt die perfekte Lösung, aber es sind Schutzversuche.

00:05:13: Und wenn wir das verstanden haben stellt sich eine ganz andere Frage – wie bekomme ich diese Symptome möglichst schnell weg?

00:05:22: Sondern was braucht eigentlich mein Nervensystem gerade damit es weder Sicherheit erleben kann?

00:05:31: und genau hier beginnt dann Selbstwirksamkeit.

00:05:35: Nicht weil wir die Krise einfach wegatmen können, nicht weil wir nur positiv denken müssten und dann ist alles gut sondern weil wir unserem Körper Schritt für Schritt neue Erfahrungen ermöglichen.

00:05:49: Eine der einfachsten Möglichkeiten ist unsere Atmung.

00:05:53: vielleicht hast du das schon oft gehört von atme doch mal tief durch aber selten wird erklärt warum das überhaupt helfen soll.

00:06:02: Also wenn wir langsam einatmen und noch länger ausatmen, senden wir unserem Gehirn eine Botschaft.

00:06:12: Und die Botschaft lautet im Moment bin ich in Sicherheit!

00:06:17: Unser Nervensystem beginnt vom Alarmmodus langsam wieder in den Ruhemodus zu wechseln.

00:06:24: Vielleicht probieren wir es jetzt einfach mal zusammen aus also stelle dich doch mal ans Fenster.

00:06:28: Also wenn ich mich hier an meinen Fenster stelle, schaue ich in einen wilden Innenhof und die Kinder im Kindergarten sind jetzt gerade alle draußen und spielen ganz wild.

00:06:42: Was siehst du denn?

00:06:44: Wenn du an dein Fenster gehst, lasst deinen Blick einfach mal ein bisschen in die Ferne schweifen und atme ruhig ein!

00:06:54: Und dann doppelt so lange wieder aus... Und das nicht einmal, sondern fünf oder sechs Atemzüge hintereinander.

00:07:08: Du musst dabei nichts Besonderes fühlen – es reicht wenn dein Körper diese Erfahrung macht!

00:07:13: Das was sich aber einstellen wird ist dass du ruhiger wirst.

00:07:19: Eine zweite Möglichkeit ist Bewegung also jetzt nicht Leistungssport, sondern Bewegung Ein kurzer Spaziergang, einmal die Schultern lockern.

00:07:30: Die Arme ausschütteln.

00:07:33: Treppel statt Fahrstuhl.

00:07:35: Weil Stress ist Bewegung!

00:07:38: Da passiert ganz viel in unserem Körper und manchmal braucht unser Körper genau das um den Alarm langsam wieder loszulassen.

00:07:48: also bewege dich ruhig Komm in die Bewegung, schau wo dein Körper jetzt gerade hin will.

00:07:54: Manchmal sagt uns der Körper schon sehr genau welche Art von Bewegungen er gerade braucht um sich ein bisschen zu entlasten.

00:08:04: Es gibt aber noch etwas das wir oft unterschätzen und zwar ist es Beziehung.

00:08:11: Katharina hat sich Unterstützung gesucht und genau das war wahrscheinlich eine der wichtigsten Entscheidungen Denn unser Nervensystem berührt sich nicht nur allein.

00:08:24: Es brüht sich vor allem in Verbindung mit anderen Menschen, also gerade da wo wir uns auch mal umarmen lassen, wo wir merken jemand anderes ist da und wir dürfen berührt werden – all das schafft Verbindungen wenn wir sehen….

00:08:44: Wir sind mit jemandem der zuhört und der darbleibt, der uns nicht bewertet Und der uns Hoffnung leiht, wenn wir selbst gerade keine mehr haben.

00:08:56: Manchmal reichen diese vermeintlich kleinen Schritte und manchmal brauchen wir auch mehr.

00:09:04: Manchmal brauchen wir ein Gespräch oder eine Therapie vielleicht, ein Coaching... Manchmal tun es auch Medikamente, wenn man bemerkt, dass unser Körper sich durch die Maßnahmen, die ich gerade schon genannt habe gar nicht mehr beruhigen.

00:09:21: Vielleicht brauchen wir das dann mal um auch so eine Stressreaktion zu durchbrechen.

00:09:31: geht zum Arzt und lasst euch da gut beraten.

00:09:35: Manchmal braucht es auch ne Reha oder Menschen, die uns einfach eine Zeit lang mittragen.

00:09:41: Auch das ist Selbstwirksamkeit.

00:09:43: Denn Selbstwirksamkeit bedeutet nicht alles allein schaffen zu müssen, sondern es bedeutet ich kann etwas tun!

00:09:50: Ich kann Hilfe suchen, ich kann mein Körper verstehen lernen... ...ich kann lernen seine Signale ernstzunehmen und ich darf darauf vertrauen dass Veränderung möglich ist.

00:10:02: Zum Schluss möchte ich dir noch ein Gedanken mitgeben.

00:10:06: vielleicht kämpfst du gerade gegen dein Körper, vielleicht ärgerst du dich auch über deine Erschöpfung oder über deine Angst und über deine Schlaflosigkeit.

00:10:18: Vielleicht versuchst du jeden Tag wieder so zu funktionieren wie früher!

00:10:24: Was wäre wenn Du heute mal etwas anderes ausprobierst?

00:10:27: Was wäre, wenn Du deinen Körper nicht die Frage stellst warum tust Du mir das an sondern was möchtest Du mir gerade

00:10:35: zeigen?!

00:10:37: beginnt genau dort, dann hat auch etwas Neues.

00:10:41: Nicht weil die Krise sofort verschwindet sondern weil aus Angst langsam Verständnis wird und Ausverständnis wieder Vertrauen.

00:10:51: Vertrauen in Dein Körper und Vertrauen auch in Dich selbst Denn Heilung beginnt oft nicht mit einem ganz großen Durchbruch Sondern in dem Moment in dem wir verstehen Mein Körper ist nicht gegen mich.

00:11:05: Er tut das Beste, was ihm mit seiner bisherigen Erfahrung möglich ist.

00:11:10: Und genau deshalb kann er auch neue Erfahrungen machen!

00:11:14: Also du wirst aus dieser Situation herausgehen mit neuen Erfahrungen und so kannst Du lernen auch wieder mit Deinem Körper zusammenzuarbeiten.

00:11:27: Wenn Du da drin Unterstützung Suchst und brauchst, hol dir das.

00:11:32: Sprich Menschen an, sprich mit Menschen da drüber die vielleicht schon mal in einer Krise waren.

00:11:37: Vielleicht kann man sich dann gut unterstützen aber hole dir auch professionelle Unterstützung.

00:11:42: du musst so eine Krise nicht alleine durchstehen.

00:11:48: Das war eine weitere Folge von Neulich im Therapiekafé Geschichten über das Wachsen, Zweifeln und Wiederfinden.

00:11:55: Hat dich das Gespräch berührt?

00:11:57: Erinnert Dich das ein oder andere an dein eigenes Leben?

00:12:01: Ich bin Dr.

00:12:02: Kerstin Klappstein und wenn du Unterstützung suchst, schau gerne in meiner Online-Praxis vorbei – den Link findest Du in den Show Notes.

00:12:10: Schön dass Du dabei warst!

00:12:11: Bis zum nächsten Mal im Therapiekafé.

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